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Triebwagen
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Triebwagen oder Motorwagen sind angetriebene Schienenfahrzeuge (Triebfahrzeuge), die FahrgĂ€ste oder Ladung befördern. Im Unterschied dazu haben Lokomotiven, die zum Befördern von Wagen dienen, mit Ausnahme von GepĂ€cklokomotiven keinen Raum fĂŒr die Fahrgast- oder GĂŒterbeförderung.
Im spĂ€teren Verlauf wurden Triebwagen zuerst im StraĂenbahnbetrieb eingesetzt, nach dem Verschwinden der PferdestraĂenbahn wurden sie dort das praktisch ausschlieĂliche Beförderungsmittel, an die bald zusĂ€tzliche motorlose Beiwagen angehĂ€ngt wurden.
Aus Triebwagen gebildete ZĂŒge nennt man Triebwagenzug oder Motorzug. Mittig in einen solchen Zug eingereihte angetriebene Wagen ohne FĂŒhrerstĂ€nde und SitzplĂ€tze heiĂen Maschinenwagen oder Antriebsmodul, solche mit SitzplĂ€tzen sind Antriebswagen, angetriebene Mittelwagen oder angetriebene Zwischenwagen.
Teilweise waren Triebwagen(zĂŒge) frĂŒher in den FahrplĂ€nen auch anhand der Zuggattung zu erkennen, so beispielsweise beim Fernschnelltriebwagen, beim Schnelltriebwagen, beim Motorschnellzug, beim Triebwagen-Schnellzug, beim Eiltriebwagen, beim StĂ€dteschnellverkehrstriebwagen oder beim Nahschnellverkehrstriebwagen. In den FahrplĂ€nen war dies hĂ€ufig durch ein hinten angefĂŒgtes t in der Zuggattungsbezeichnung erkennbar, also beispielsweise ICt, FDt, Ft, Dt, Et oder Nt.
Contents
âą Definitionen
âą Deutsch
âą Andere Sprachen
âą StraĂenbahn
âą Eisenbahn
âą Technik
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Definitionen
Deutsch
âą Ein Triebwagen ist ein einzelner, angetriebener Wagen, der allein oder zusammen mit Steuer-, Mittel- und Beiwagen als Zug eingesetzt wird. Entsprechend ausgestattete Triebwagen können anstelle einer Lokomotive einen Zug befördern. Bis in die 1930er Jahre wurde in Deutschland synonym auch der Begriff âSchienenomnibusâ verwendet, dann aber 1933 festgelegt, dass einheitlich die Bezeichnung âTriebwagenâ verwendet werden solle.cite-ref-1[1]
âą Ein Doppeltriebwagen besteht aus zwei fest miteinander gekuppelten Triebwagen und wird gleich wie ein Triebwagen eingesetzt.
âą Ein Gelenktriebwagen ist ein Triebwagen, der aus mehreren gelenkig verbundenen Wagenkastenelementen besteht, z. B. mit Jakobs-Drehgestell, aufgesattelt wie beim Stadler GTW oder in der Art der Kurzgelenkwagen.
âą Ein Triebzug ist eine mit eigenem Antrieb versehene, im Regelbetrieb nicht trennbare Einheit aus mehreren Fahrzeugen, diese werden je nach Funktion als Triebwagen, Triebkopf, Mittel- und Steuerwagen bezeichnet. Vielteilige Gelenktriebwagen werden als TriebzĂŒge bezeichnet. Ein Triebzug unterscheidet sich von einem Wendezug (schweiz.: Pendelzug) dadurch, dass die Mittelwagen nicht als normale Reisezugwagen verwendet werden können. Allerdings werden WendezĂŒge oft im Regelbetrieb auch nicht mehr getrennt und nur noch in den Fahrzeugunterhaltungszentren umformiert. Andererseits umfassen manche TriebzĂŒge keinen einzigen Triebwagen, wenn nĂ€mlich die Triebköpfe nichts auĂer FĂŒhrerstand und Antriebseinrichtungen enthalten und keine Achse der Fahrgastwagen angetrieben ist. SchlieĂlich gibt es TriebzĂŒge, die betrieblich als untrennbare Einheiten behandelt und nummeriert sind, technisch aber durchaus als Einzelfahrzeuge Verwendung finden könnten.
âą Ein Triebwagenzug wird in einer engeren Definition aus zwei oder mehreren Triebwagen â also ausschlieĂlich motorisierten Einheiten â gebildet (zum Beispiel bei den Baureihen 403 und 420 der Deutschen Bundesbahn). Eine weiter gefasste Definition bezeichnet damit jede Kombination von mindestens zwei Triebwagen oder TriebzĂŒgen, gegebenenfalls unter Einschluss von nicht motorisierten Mittel-, Steuer- oder Beiwagen, sofern die gekuppelten Triebwageneinheiten betrieblich trennbar sind â z. B. fĂŒr FlĂŒgelzugkonzepte. Einheiten, die betrieblich nicht trennbar sind, sind dagegen allein schon aus diesem Grund TriebzĂŒge.cite-ref-2[2] In einer dritten Definition wird Triebwagenzug als Synonym zu Triebzug verwendet.cite-ref-3[3]
âą Als Zwillingstriebwagen bezeichnet man zwei permanent miteinander gekuppelte StraĂenbahn-Triebwagen, die nur gemeinsam eingesetzt werden können.
âą Als gefĂŒhrte Triebwagen oder motorisierte AnhĂ€nger bezeichnet man StraĂenbahntriebwagen, die keine vollwertige FĂŒhrerstandseinrichtung besitzen und nicht an erster Stelle eines Zugverbands eingesetzt werden können.
âą Sind zwei Triebwagen in einem Zug gekuppelt, so spricht man von Doppeltraktion, bei drei Triebwagen von Dreifachtraktion, allgemein von Mehrfachtraktion.
Umgangssprachlich werden die Begriffe âTriebwagenâ, âTriebzugâ und âTriebwagenzugâ nicht immer scharf voneinander abgegrenzt. âTriebzugâ wird dabei eher im technischen Zusammenhang verwendet, fĂŒr kĂŒrzere Einheiten wird dafĂŒr hĂ€ufig der Begriff âTriebwagenâ gebraucht.
Andere Sprachen
In anderen Sprachen sind die Abgrenzungen zwischen Triebwagen, TriebzĂŒgen, Schienenbussen und innerhalb dieser Kategorien oft anders gezogen als im Deutschen, was insbesondere beim Ăbersetzen Probleme bietet.
âą Im Englischen heiĂen Einzeltriebwagen je nach Verwendungszweck ârailcarâ oder âmotor coachâ. Im amerikanischen Englisch, wo railcar auch gewöhnliche, also unmotorisierte Eisenbahnwagen bezeichnet, gibt es daneben fĂŒr Triebwagen die genauere Bezeichnung ârailmotorâ. Im irischen Englisch verwendet man railcar auch fĂŒr TriebzĂŒge. TriebzĂŒge werden als âmultiple unitsâ bezeichnet, unterschieden nach Antrieb in âelectric multiple unitâ (EMU), âdiesel multiple unitâ (DMU) und âbimodal multiple unitâ (BMU). Oft wird dahinter in Ziffern die Anzahl der verbundenen Fahrzeuge angegeben, z. B. âDMU3â. Nach diesem Schema werden Einzeltriebwagen wiederum als âEMU1â oder âDMU1â bezeichnet, sofern sie fĂŒr den Einsatz im Zugverband ausgerĂŒstet sind. Neuerdings sind auch BEMU (batterieelektrische âŠ) und HEMU (hydrogenelektrische âŠ) in Gebrauch.
âą Das Französische unterscheidet bei Einzeltriebwagen zwischen «motrice» (bei der StraĂenbahn), «automotrice» (Elektro- und Dampftriebwagen bei der Eisenbahn)cite-ref-fdv-4-0[4] und «autorail» (Verbrennungstriebwagen). TriebzĂŒge jeder Antriebsart heiĂen französisch «rame automotrice».
âą Das Italienische nennt Einzeltriebwagen unabhĂ€ngig von der Antriebsart âautomotriceâ, elektrische TriebzĂŒge âelettrotrenoâ.cite-ref-fdv-4-1[4] FrĂŒher wurde zum Teil der Begriff âLittorineâ als Gattungsbegriff fĂŒr Dieseltriebwagen verwendet.
âą Im NiederlĂ€ndischen bezeichnet man Einzeltriebwagen einfach als âmotorrijtuigâ (dt.: Motorfahrzeug), was motorisierte Draisinen einschlieĂt, im FlĂ€mischen als âmotorwagenâ. TriebzĂŒge nennt man âtreinstelâ.
âą Ăhnlich ist es im RumĂ€nischen: Der Triebwagen heiĂt âautomotorâ (Pl.: âautomotoareâ) und kann ein âautomotor dieselâ oder ein âautomotor electricâ sein. Ein elektrischer Triebzug heiĂt abgeleitet vom Französischen ârama electricaâ.
âą Im Russischen heiĂt der Einzeltriebwagen mit Verbrennungsmotor ĐĐČŃĐŸĐŒĐŸŃŃĐžŃа (Awtomotrissa), der elektrisch angetriebener Wagen ĐлДĐșŃŃĐŸĐŒĐŸŃŃĐžŃа (Elektromotrissa), der Triebzug ĂŒbergreifend ĐĐŸŃĐŸŃĐČĐ°ĐłĐŸĐœĐœŃĐč ĐżĐŸĐŽĐČĐžĐ¶ĐœĐŸĐč ŃĐŸŃŃаĐČ (Motorwagonny Podwischnoi Sostaw) oder je nach Antrieb ĐлДĐșŃŃĐŸĐżĐŸĐ”Đ·ĐŽ (Elektropojesd, dt.: âElektrozugâ) oder ĐОзДлŃ-ĐżĐŸĐ”Đ·ĐŽ (Disel-Pojesd, dt.: Dieselzug). Ein Dieselzug, der auch Strom aus dem Kontaktnetz beziehen kann, heiĂt ĐОзДлŃ-ŃлДĐșŃŃĐŸĐżĐŸĐ”Đ·ĐŽ (Disel-Elektropojesd, dt.: Dieselelektrozug).cite-ref-5[5]
âą Im Spanischen heiĂen Triebwagen unabhĂ€ngig von der Antriebsart âautomotorâ, TriebzĂŒge âunidad de trenâ.
âą Im Ungarischen heiĂt der Triebwagen âmotorkocsiâ und der Triebzug âmotorvonatâ. Hier ist zu beachten, dass eine der ungarischen Bezeichnungen fĂŒr Dampfmaschine âgĆzmotorâ (âDampfmotorâ) ist und daher die frĂŒheren Dampftriebwagen (âgĆzmotorkocsiâ) âmotâ in der Seriennummer trugen.
âą Im Tschechischen heiĂt der Triebwagen âelektrickĂœ vĆŻzâ (dt.: âelektrischer Wagenâ), hĂ€ufiger wird aber vom Triebzug gesprochen â âelektrickĂĄ jednotkaâ (dt.: âelektrische Einheitâ, Einheit im Sinne einer Baugruppe), die der englischen EMU entspricht. Analog dazu spricht man bei Dieselantrieb von âmotorovĂœ vĆŻzâ (dt.: âMotorwagenâ) bzw. âmotorovĂĄ jednotkaâ (dt.: âMotoreinheitâ), englisch DMU.
StraĂenbahn
Bei der StraĂenbahn verkehren Triebwagen meistens einzeln oder in Mehrfachtraktion. FrĂŒher war es, besonders im deutschsprachigen Raum, weit verbreitet, Beiwagen (schweiz.: AnhĂ€ngewagen) ohne eigenen Antrieb mitzufĂŒhren, manchmal beschrĂ€nkt auf die Hauptverkehrszeiten oder die Zeit tagsĂŒber, um die Personalkosten fĂŒr die Schaffner bzw. Kondukteure zu sparen. Diese wirkten beim Umsetzen an den Endstellen mit. Mit der EinfĂŒhrung des schaffnerlosen respektive kondukteurlosen Betriebs wurden die Beiwagen ganztĂ€gig mitgefĂŒhrt. Jedoch ersetzten im Laufe der Jahre immer mehr StĂ€dte ihre AnhĂ€ngerzĂŒge durch (Multi-)Gelenktriebwagen bzw. Mehrfachtraktionen. Dieser Umstellungsprozess fĂŒhrte dazu, dass 2024 in der Schweiz nur noch in Basel und in Ăsterreich nur noch in Wien Beiwagen eingesetzt werden. In Deutschland sind sie nur noch in Bad Schandau, Bielefeld, Braunschweig, Darmstadt, Kassel, Leipzig und Magdeburg anzutreffen.
Einrichtungstriebwagen haben dabei nur einen FĂŒhrerstand und TĂŒren meist nur auf einer Seite, diese benötigen an den Endstellen Wendeschleifen oder Gleisdreiecke. Zweirichtungstriebwagen sind hingegen wie Eisenbahnfahrzeuge frei in beide Richtungen verwendbar. Vereinzelt werden zwei Triebwagen âHeck-an-Heckâ gekuppelt, um sie als Zweirichtungszug verwenden zu können. FĂŒr die freie Verwendbarkeit mĂŒssen die beiden Triebwagen beidseitig TĂŒren besitzen. Man spricht in diesem Fall auch von Anderthalbrichtungswagen. Statt eines zweiten Triebwagens kann ein mit FĂŒhrerstand ausgerĂŒsteter Beiwagen, also ein Steuerwagen, eingesetzt werden â jedoch stellen Steuerwagen im StraĂenbahnbereich eine seltene Ausnahme dar.
In der Schweiz waren bei StraĂenbahnen die Bezeichnungen Triebwagen und Beiwagen nicht ĂŒblich. Die Beiwagen wurden AnhĂ€ngewagen oder nur AnhĂ€nger genannt. Die mit Fahrmotoren versehenen Wagen wurden als Motorwagen bezeichnet.cite-ref-6[6] Diese hatten bis etwa 1930â1935 meist zwei FĂŒhrerstĂ€nde und EinstiegstĂŒren auf beiden Seiten. Sie konnten mit oder ohne AnhĂ€nger verkehren. Da nicht alle Bahngesellschaften an den Endstationen ĂŒber Wendeschleifen verfĂŒgten, mussten die AnhĂ€ngewagen an solchen Kuppelendstellen abgekuppelt und umfahren werden. Mit dem Erscheinen der Schweizer Standardwagen ging die Entwicklung hin zu Einrichtungswagen.
Eisenbahn
Neben den Triebwagen des Personenverkehrs gibt es GĂŒtertriebwagen und Arbeitstriebwagen. GepĂ€cktriebwagen sind vor allem in der Schweiz anzutreffen, sie sind andernorts mit dem RĂŒckgang oder der Abschaffung des GepĂ€cktransports verschwunden. In einigen LĂ€ndern gab und gibt es spezielle Posttriebwagen oder -zĂŒge, z. B. in Belgien, den Niederlanden oder auf einigen Schmalspurbahnen in der Schweiz; neuerdings auch in Form von HochgeschwindigkeitszĂŒgen wie den âTGV La Posteâ in Frankreich und den italienischen ETR 500 Mercitalia.
Vor allem auf Nebenbahnen und Schmalspurbahnen wurden frĂŒher Schlepptriebwagen anstelle von Lokomotiven fĂŒr Reise- und GĂŒterzĂŒge eingesetzt. Diese hatten Regelkupplungen, damit sie wie Lokomotiven vor leichten ZĂŒgen eingesetzt werden konnten.
Typischerweise besitzen sie eine höhere Motorleistung als regulĂ€re Triebwagen in Deutschland, die, wenn ĂŒberhaupt, nur ein bis zwei speziell fĂŒr diesen Triebwagentyp ausgelegte Bei- oder Steuerwagen zu befördern hatten. Die meisten Schlepptriebwagen waren einteilige Fahrzeuge. Verglichen mit Lokomotiven hatten sie eine kleinere Antriebsleistung. Das genĂŒgte fĂŒr das im Vergleich zu Hauptbahnen geringere Verkehrsaufkommen und sparte pro Zug einen Reisezugwagen.
Am hĂ€ufigsten finden sich Triebwagen im elektrischen Betrieb als elektrische Triebwagen, umgangssprachlich »Elektrotriebwagen«. Ebenfalls groĂe Verbreitung gefunden haben Verbrennungstriebwagen (mit Diesel- bzw. frĂŒher auch mit Ottomotor), wogegen Dampftriebwagen vergleichsweise selten waren. Triebwagen mit mehreren Antriebsarten heiĂen Zweikrafttriebwagen.
TriebzĂŒge ĂŒbernahmen im Verlaufe des zwanzigsten Jahrhunderts in weiten Teilen Europas den Regionalverkehr. Mit mehreren angetriebenen Einheiten haben sie eine höhere Beschleunigung als lokomotivbespannte ZĂŒge, was sich bei den zahlreichen Halten besonders bemerkbar macht.
Eine andere Entwicklung fĂŒhrte ĂŒber die Schnelltriebwagen zu den ZĂŒgen fĂŒr den Hochgeschwindigkeitsverkehr. Neben der Möglichkeit, die AntriebsausrĂŒstung zu verteilen, war es insbesondere erforderlich, den Zug als ganzes hinsichtlich des Luftwiderstands zu optimieren. Manche solcher ZĂŒge bestehen jedoch technisch gesehen, wie bei den ersten beiden Generationen des ICE, aus zwei âTriebkopfâ genannten Lokomotiven mit zwischengereihten Wagen im einheitlichen Design, was auf den Betrachter wie ein Triebzug wirkt.
Vor- und Nachteile
Bei TriebzĂŒgen kann die Antriebsleistung genauer auf die Zugmasse abgestimmt werden. Falls die Masse von mehreren Wagen als AdhĂ€sionsgewicht genutzt wird, verbessert sich die nutzbare Anfahrzugkraft bei gleicher Antriebsleistung, was eine groĂe Beschleunigung ermöglicht. Neben dem Regionalverkehr haben TriebzĂŒge im Hochgeschwindigkeitsverkehr ihre Berechtigung. Um dort die notwendigen hohen Leistungen auf die Schiene zu bringen, kommen meist TriebzĂŒge mit mehr angetriebenen Achsen als bei einem herkömmlichen lokomotivbespannten Reisezug zum Einsatz. Bei HochgeschwindigkeitszĂŒgen ist nicht nur eine hohe Antriebsleistung von Bedeutung, sondern auch die Aerodynamik, die bei TriebzĂŒgen vorteilhafter ist als bei klassischen lokomotivbespannten ZĂŒgen.
In einigen LĂ€ndern, beispielsweise in der Schweiz und der Tschechoslowakei und ihren Nachfolgestaaten waren und sind Triebwagen ĂŒblich, die sowohl mit dazugehörenden Bei- und Steuerwagen als auch mit klassischen Reisezugwagen gekuppelt werden können und damit Ă€hnlich flexibel nutzbar wie Lokomotiven und Reisezugwagen sind. Bei den ÄSD und ihren Nachfolgern wurden insbesondere die Beiwagen von Verbrennungstriebwagen auch als lokbespannte ZĂŒge eingesetzt. Vielfach ĂŒberlebten die Beiwagen die dazugehörenden Triebwagen um viele Jahre.
â Siehe auch Abschnitt Alternativen im Artikel Wendezug
Diesen Vorteilen der TriebzĂŒge stehen allerdings auch Nachteile gegenĂŒber:
âą Kurzfristige FlexibilitĂ€t: Da die einzelnen Zugteile nur auf Werkstattgleisen oder gar nicht geteilt werden können, sind TriebzĂŒge im Betrieb wesentlich unflexibler, da die Einheit nicht kurzfristig durch An- oder Abkuppeln einzelner Wagen auf stĂ€rkere oder schwĂ€chere Nachfrage reagieren kann. Bei TriebzĂŒgen muss auf Mehrfachtraktion zurĂŒckgegriffen werden, was zwangslĂ€ufig zu teuren ĂberkapazitĂ€ten fĂŒhrt.
âą Langfristige FlexibilitĂ€t: Sollen die KapazitĂ€t erhöht werden oder der Anteil erster Klasse, die Verpflegungsmöglichkeit oder die Motorisierung angepasst werden, ist das bei TriebzĂŒgen nur mit teuren Umbauten oder mit Mehrfachtraktion möglich.
âą GroĂe ZuglĂ€nge: Ein einstöckiger Triebzug hat etwa 40 SitzplĂ€tze mehr als ein Wendezug von gleicher LĂ€nge. Dieser Vorteil verschwindet fast vollstĂ€ndig bei Doppeltraktion. Ab etwa 400 SitzplĂ€tzen sind die Masse pro Sitzplatz und die Lebenszykluskosten des lokomotivbespannten Reisezugs gĂŒnstiger. Die Kosten der Lokomotive können auf eine groĂe Anzahl Wagen umgelegt werden.
âą PlatzverhĂ€ltnisse bei DoppelstockzĂŒgen: Bei der ĂŒblichen Fahrzeugbegrenzungslinie G1 geht der Einbau der Antriebsaggregate in DoppelstocktriebzĂŒgen zulasten von SitzplĂ€tzen. Ein doppelstöckiger Triebzug ist nur bis etwa 200 SitzplĂ€tze vorteilhafter als ein Doppelstock-Wendezug. Bei einstöckigen TriebzĂŒgen steht in der Regel genug Raum unterflur und im Dachbereich zur VerfĂŒgung.
âą Markt mit gebrauchten Fahrzeugen: Nicht mehr benötigte TriebzĂŒge können schwieriger verkauft werden, weil sie oft auf ihr ursprĂŒngliches Einsatzgebiet zugeschnitten sind. Dagegen sind Reisezugwagen standardisiert und oft international freizĂŒgig einsetzbar, was ihren Betreibern strategische Vorteile verschafft.
Zusammengefasst eignen sich TriebzĂŒge eher bei kurzen ZĂŒgen mit groĂen Anforderungen an die Beschleunigung, wĂ€hrend lokomotivbespannte ReisezĂŒge Vorteile im klassischen Fernverkehr mit langen ZĂŒgen besitzen.cite-ref-8[8]
Entwicklungen bei Gebirgsbahnen
Zahnradbahnen werden hĂ€ufig mit elektrischen Einzel- oder Doppeltriebwagen â oft ergĂ€nzt mit Zwischen- und Steuerwagen â betrieben. Die verhĂ€ltnismĂ€Ăig kurzen TriebwagenzĂŒge und TriebzĂŒge zeichnen sich durch ihr geringes Gewicht aus, was bei Zahnradbahnen besonders vorteilhaft ist. Wegen der zunehmend schwerer gewordenen ZĂŒge wird bei der Zentralbahn (ZB) und der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) im Zahnstangenbetrieb ein Teil der Zugkraft ĂŒber den AdhĂ€sionsantrieb aufgebracht. Ein solcher Antrieb kommt bei den Lokomotiven HGe 4/4 II zum Einsatz. Bei den mehrteiligen âAdlerâ- und âFinkâ-TriebzĂŒgen ABeh 150 und ABeh 160/161 der Zentralbahn konnte ein solcher Antrieb erstmals in einem (mehrteiligen) Triebzug realisiert werden, womit die ganze ZuglĂ€nge als NutzflĂ€che zur VerfĂŒgung steht und das âtote Gewichtâ einer Lokomotive vermieden wird. Ein Teil der Drehgestelle ist mit AdhĂ€sionsantrieb, ein Teil mit Zahnradantrieb ausgestattet. Die Antriebsdrehgestelle mit AdhĂ€sionsantrieb erbringen auf den Zahnstangenabschnitten etwa einen Drittel der Antriebsleistung, wodurch die Zahnstange weniger belastet wird.
Mit der EinfĂŒhrung der zweiteiligen ABDeh 8/8 im Jahr 1965 fĂŒhrte die damalige Brig-Visp-Zermatt-Bahn (BVZ) ein Mischkonzept von TriebzĂŒgen und lokomotivbespannten ZĂŒgen ein. Auch die ab 2009 gelieferten dreiteiligen âAllegraâ-TriebzĂŒge ABe 8/12, die mit ihren acht angetriebenen Achsen eine optimale Ausnutzung der AdhĂ€sion auf den mit bis zu 70 Promille geneigten Gebirgsstrecken erlauben, werden wie Lokomotiven zur Bespannung von schweren ReisezĂŒgen eingesetzt.
Kennzeichnung nach technischer AusrĂŒstung
In Deutschland und Ăsterreich waren die folgenden Kennbuchstaben gebrĂ€uchlich:
âą DT â Dampftriebwagen, z. B. BBĂ-Reihe DT 1, spĂ€tere ĂBB-Reihe 3071
âą ET â elektrische Triebwagen/-triebzĂŒge, z. B. DR-Baureihe ET 25 (spĂ€ter 425). Teilweise wird hierfĂŒr die englische AbkĂŒrzung EMU (Electrical Multiple Unit) verwendet.
âą ETA bzw. AT â Akkumulatortriebwagen, DB-Baureihe ETA 150 (spĂ€ter 515) Als weitere Bezeichnung wird BEMU (Battery Electrical Multiple Unit) verwendet.
âą VT â Verbrennungstriebwagen/-triebzug, heutzutage handelt es sich dabei in aller Regel um Dieseltriebwagen/-zĂŒge, z. B. DB-Baureihe 628. FĂŒr solche wird gelegentlich die englische AbkĂŒrzung DMU (Diesel Multiple Unit) bzw. bei dieselelektrischem Antrieb DEMU (Diesel-Electrical Multiple Unit) verwendet.
âą SVT â Schnelltriebwagen mit Verbrennungsmotor, ehemals bei der Deutschen Reichsbahn vor 1945
âą Kennbuchstaben fĂŒr Beiwagen, Mittelwagen und Steuerwagen werden sinngemÀà gebildet, z. B. VB, EM oder ES.
ZusÀtzlich erhalten Trieb-, Bei-, Mittel- und Steuerwagen Gattungszeichen wie Reisezugwagen.
In Ăsterreich werden diese Kennzeichnungen mit den Typenbezeichnungen fĂŒr Reisezugwagen kombiniert, wobei aber die Achszahl bei vierachsigen Fahrzeugen angegeben wird, z. B. B4hET 4020. siehe auch UIC-Bauart-Bezeichnungssystem fĂŒr Reisezugwagen
In der Schweiz wurden Triebwagen anfĂ€nglich wie Reisezugwagen bezeichnet, schon bald aber wurde ein Kleinbuchstaben fĂŒr die Antriebsart hinzugefĂŒgt. Dieses Bezeichnungssystem war lange amtlich angeordnet, wird aber heute nicht mehr durchgĂ€ngig verwendet. FĂŒr besondere Zwecke sind verschiedene AbkĂŒrzungen in Anwendung, z. B. DTZ fĂŒr die elektrischen Doppelstock-TriebzĂŒge SBB RABe 514 der S-Bahn ZĂŒrich. Die meist gebrĂ€uchliche Typenbezeichnung kombiniert die Buchstaben wie folgt:
âą fĂŒhrendes R fĂŒr Triebwagen mit einer Höchstgeschwindigkeit von mindestens 110 km/h
âą A, B, D, S, X entsprechend den Wagenbezeichnungen
âą e fĂŒr elektrischen Antrieb
âą m fĂŒr thermischen Antrieb
âą a fĂŒr Akkumulatorbetrieb
âą h als fĂŒhrender Kleinbuchstabe fĂŒr reinen Zahnradantrieb
âą nachgestelltes h fĂŒr gemischten AdhĂ€sions- und Zahnradantrieb
Beispiele:
⹠RAm TEE der SBB: Triebzug mit 140 km/h Höchstgeschwindigkeit, nur 1. Klasse und Brennstoffantrieb
⹠RBe 540 der SBB: Elektrischer Triebwagen zweiter Klasse mit Höchstgeschwindigkeit 125 km/h
⹠RABDe 8/16 der SBB: elektrischer Triebzug mit 1. und 2. Klasse sowie GepÀckabteil (D), Höchstgeschwindigkeit 140 km/h
⹠Deh 4/4 der BVZ: Elektrischer GepÀcktriebwagen mit AdhÀsions- und Zahnradantrieb
⹠Bhe 1/2 der Pilatusbahn: Elektrischer Zahnradtriebwagen 2. Klasse ohne AdhÀsionsantrieb
Triebwagen als Zuggattung
Bei der Deutschen Bundesbahn wie auch der Deutschen Reichsbahn wurden ZĂŒge, die mit Triebwagen bedient wurden, lange Zeit als eigene Zuggattung gefĂŒhrt, mit dem Hinweis, dass der Platz in diesen ZĂŒgen beschrĂ€nkt sein könnte. In konventionelle ZĂŒge waren frĂŒher in der Regel GepĂ€ckwagen eingestellt, deren Platzangebot beim Triebwagen wegfiel. Heute unterscheiden sich Triebwagen und Wagen in der Raumaufteilung oft nur geringfĂŒgig, fĂŒr die Einteilung in Zuggattungen sind andere Kriterien wie Komfort oder Geschwindigkeit eines Zuges ausschlaggebend. In Zuglauftabellen wurde das T bei der Deutschen Bundesbahn nach 1955, bei der Deutschen Reichsbahn nach 1960 zunehmend durch ein Triebwagensymbol ersetzt.
Folgende Zuggattungen wurden fĂŒr Triebwagen verwendet:
âą T â (Nahverkehrs-)Triebwagen. Andere ZĂŒge der untersten Zuggattung hatten als einfache PersonenzĂŒge gar keinen Buchstaben vor der Nummer. Aus Schienenbussen gebildete ZĂŒge erhielten bei der Deutschen Bundesbahn in den 1950er Jahren die eigene Zuggattung To â Schienenomnibus.
âą Et â Eiltriebwagen, die Triebwagenversion des Eilzuges
âą Dt â Schnelltriebwagen, Triebwagenversion des Schnellzuges, im Gegensatz zu diesem allerdings grundsĂ€tzlich mit GroĂraumwagen
âą FDt, ab 1951 Ft â Fernschnelltriebwagen, Triebwagenversion des Fernschnellzuges, etwa die Fliegenden ZĂŒge der 1930er Jahre, technisch die Baureihen 137 (der Prototyp lief als Reihe 877)
âą TEE â Von ihrer EinfĂŒhrung bis 1963, in Deutschland bis 1965, bezeichnete die Zuggattung Trans-Europ-Express grundsĂ€tzlich DieseltriebzĂŒge, darunter die DB-Baureihe VT 11.5 und Ă€hnliche ZĂŒge anderer westlicher Staatsbahnen.
âą Ext â Expresstriebwagen bei der Deutschen Reichsbahn, technisch zuerst TriebzĂŒge ungarischer Produktion (Ganz-MAVAG, bei der DR als Baureihe VT 12.14), spĂ€ter ZĂŒge der Reihe 175.cite-ref-9[9]
âą TS â (Ăsterreich): Triebwagenschnellzug, u. a. bis 1971 fĂŒr besondere Schnellverbindungen z. B. Transalpin, Vindobona, oder fĂŒr TEE-ZĂŒge wie den Mediolanum
âą TER â (Spanien): Tren Español RĂĄpido. Diese reservierungspflichtigen Schnelltriebwagen der Renfe, zweiteilige Dieseltriebwagen der Baureihe 9700, verkehrten von 1965 bis 1990.
Entwicklung in Deutschland
Die ersten Dampftriebwagen wurden in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts im Nahverkehr eingesetzt.
Bei den meisten frĂŒhen elektrischen Bahnen wurden zunĂ€chst straĂenbahnartige Triebwagen verwendet, so beispielsweise bei der Volkâs Electric Railway von Magnus Volk in Brighton, die den Betrieb im August 1883 aufnahm, der 1895 in Betrieb genommenen ersten deutschen elektrischen Vollbahn MeckenbeurenâTettnang, der 1900 eröffneten Elektrischen Kleinbahn Mansfeld und der 1903 eröffneten Elektrischen Kleinbahn Alt-RahlstedtâVolksdorfâWohldorf in Hamburg.
Bei der ab 1907 elektrisch betriebenen Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn wurden demgegenĂŒber kurzgekuppelte und mit Fahrmotoren versehene preuĂische Abteilwagen verwendet.
Infolge der Entwicklung der elektrischen Antriebstechnik kamen Anfang des 20. Jahrhunderts Elektrotriebwagen und Akkumulatortriebwagen (z. B. in PreuĂen spĂ€tere ETA 177) auf, ebenfalls ĂŒberwiegend fĂŒr den Nahverkehr. Im Jahr 1903 stellte ein Drehstrom-Triebwagen auf dem Abschnitt MarienfeldeâZossen der MilitĂ€reisenbahn MarienfeldeâZossenâJĂŒterbog den Geschwindigkeitsrekord von 210 km/h auf.
Zwischen 1907 und 1915 wurden von den PreuĂischen Staatsbahnen insgesamt 24 Verbrennungstriebwagen unterschiedlicher Bauarten in Dienst gestellt. Sie hatten die Baureihenbezeichnung VT 151 (ein Fahrzeug), VT 152 bis 161 (erste Serie mit zehn Fahrzeugen, 1913 umgezeichnet in VT 1 bis VT 10, und zweite Serie mit zehn Fahrzeugen VT 11 bis VT 20 â in Summe 20 Fahrzeuge), VT 21 (ein Fahrzeug) und VT 101 bis VT 103 (drei Triebfahrzeuge jeweils mit Steuerwagen). Sie waren sĂ€mtlich mit Verbrennungsmotoren ausgestattet, die einen Generator antrieben, der wiederum den elektrischen Strom fĂŒr die Fahrmotoren erzeugte. Die VT 1, VT 21 und die erste Serie der VT 2 waren Einzelfahrzeuge mit beiderseitigen FĂŒhrerstĂ€nden, die zweite Serie der VT 2 und die VT 101 bis 103 konnten nach Bedarf zusĂ€tzlich mit einem eigenen, motorlosen Steuerwagen gekuppelt werden. Der Otto-, bei den VT 101â103 der Dieselmotor und der gekuppelte Generator dieser Fahrzeuge befanden sich meist in einem Vorbau ĂŒber dem ersten Drehgestell. Die meisten dieser Triebwagen waren vierachsig mit jeweils zwei Drehgestellen, bis auf den zweiachsigen VT 21 und die fĂŒnfachsigen VT 101â103. Ăberwiegend wurden diese Triebwagen von den Eisenbahndirektionen der östlichen preuĂischen Provinzen sowie in der ED Altona eingesetzt. Von der letzten dieser Bauarten wurden zusĂ€tzlich zwei Exemplare unter der Bezeichnung DET 1â2 von den Königlich SĂ€chsischen Staatseisenbahnen in Betrieb genommen.cite-ref-vt-pr-10-0[10]
In den 1920er Jahren wurden vermehrt Triebwagen mit Verbrennungsmotor mit unterschiedlichen Konzepten der KraftĂŒbertragung in Dienst gestellt. Es entstanden in Deutschland eine Vielzahl von Nahverkehrstriebwagen und erste Eiltriebwagen. Anfang der 1930er Jahre wurde der Schritt zum Einsatz von Triebwagen im Schnellverkehr vollzogen, in Deutschland mit dem Fliegenden Hamburger von 1932 oder den spĂ€teren ET 11.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sowohl fĂŒr den Nahverkehr als auch fĂŒr den Fern- und Schnellverkehr neue Triebwagen konzipiert. In den 1950er Jahren entstanden der VT 08 und der VT 11.5 fĂŒr den Fern- und der ET 30 fĂŒr den Nahverkehr.
FĂŒr den Nahverkehr vor allem auf schwach ausgelasteten Nebenbahnen wurde in Deutschland der Uerdinger Schienenbus entwickelt (DB-Baureihen VT 95, VT 97 und VT 98, die u. a. bei den ĂBB als Reihe 5081 eingesetzt wurden). Daneben gab es die MAN-Schienenbusse, die bei verschiedenen deutschen Privatbahnen eingesetzt wurden.
FĂŒr die DR entwickelte der VEB Waggonbau Bautzen die Reihe VT 2.09. Der VEB Waggonbau Görlitz entwickelte Anfang der 1960er Jahre die TriebzĂŒge der Baureihe VT 18.16 (ab 1970 Baureihe 175) fĂŒr den hochwertigen internationalen Fernverkehr.
Ab Mitte der 1960er Jahre wurde fĂŒr den Fernverkehr in Deutschland auf lokbespannte ZĂŒge gesetzt, Triebwagen wurden vornehmlich fĂŒr den Nahverkehr beschafft. Die einzige Ausnahme waren die IC-TriebwagenzĂŒge der Baureihe 403 der DB. Erst seit EinfĂŒhrung der Zuggattung Intercity-Express werden in Deutschland im Fernverkehr wieder vermehrt Triebwagen eingesetzt. GepĂ€ck- oder GĂŒtertriebwagen fanden in Deutschland bisher keine nennenswerte Verbreitung.
Heutiger Einsatz
HĂ€ufig werden im Nahverkehr DieseltriebzĂŒge eingesetzt. Sie haben weitgehend die lokomotivbespannten ZĂŒge abgelöst. Einige, wie beispielsweise die der DB-Baureihe 612, verfĂŒgen ĂŒber Neigetechnik.
In den groĂen BallungsrĂ€umen wie Berlin, Hamburg, MĂŒnchen, Stuttgart und Frankfurt am Main erledigen elektrische TriebzĂŒge den Nahverkehr als S-Bahnen. Fast baugleiche ElektrotriebzĂŒge fahren zunehmend in Regionalbahnverkehren. Diese ZĂŒge werden an allen oder fast allen Achsen angetrieben, um die geforderte hohe Beschleunigung zu erreichen.
Im Regionalverkehr werden zunehmend elektrische DoppelstocktriebzĂŒge unterschiedlicher Hersteller (wie Bombardier, Siemens und Stadler) eingesetzt. Die Abgrenzung zu Lokomotiven verschwimmt dabei zunehmend, denn die Stammnummer 445/446 deutet im Baureihenschema der DB auf elektrische Triebwagen hin, wĂ€hrend sie mit dem UIC-Bauartcode 91 als elektrische Lokomotiven eingeordnet sind.
Der hochwertige Fernverkehr der Deutschen Bahn wird ausschlieĂlich mit ICE-ElektrotriebzĂŒgen erbracht. Die ICE 3, die beispielsweise auf der Neubaustrecke KölnâRhein/Main verkehren, sowie die ICE 3MF, die zwischen Frankreich und SĂŒdwestdeutschland eingesetzt werden, sind TriebzĂŒge â keine TriebwagenzĂŒge â, da nur ein Teil der Wagen angetrieben sind und die TraktionsausrĂŒstung auf mehrere Wagen verteilt ist. Bei den mit Neigetechnik ausgerĂŒsteten ICE T ist es ebenso.
ZusĂ€tzlich kommen im niederwertigen Fernverkehr gemietete Stadler-KISS-TriebzĂŒge als IC2 im Personenfernverkehr zum Einsatz.
Entwicklung in Ăsterreich
Die Entwicklung des Triebwageneinsatzes in Ăsterreich war zunĂ€chst beherrscht von den Privatbahnen wie der Pressburgerbahn, insbesondere jenen, die frĂŒh elektrifizierte Lokalbahnen und Schmalspurbahnen betrieben. Erst nach 1900 wurden fĂŒr die KkStB erste Kleinserien oder Versuchsfahrzeuge gebaut, aber auch hier vornehmlich zum Einsatz auf elektrifizierten Lokalbahnen, so gab es nur einen Dampftriebwagen und einen Verbrennungstriebwagen. Nach dem Ersten Weltkrieg litt Ăsterreich unter Kohlemangel, mit der fortschreitenden Elektrifizierung wurden ab 1928 elektrische Triebwagen und dazu passende Beiwagen fĂŒr den Regionalverkehr (ET 10 spĂ€terer Reihe 4041) und 1936 auch fĂŒr den Schnellverkehr (ET 11, spĂ€tere Reihe 4042), sowie fĂŒr den GepĂ€cktransport (ET 30, spĂ€terer 4060) in Dienst gestellt. Nach mehreren Versuchstriebwagen von Austro-Daimler wurden ab 1933 diesel-elektrische Triebwagen der Reihe VT 41 beschafft und in den folgenden Jahren stetig weiterentwickelt mit den VT 44 wurde schlieĂlich der Wechsel zur bis heute ĂŒblichen hydraulischen KraftĂŒbertragung vollzogen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte man ab 1952 mit den Reihen 5045 (VT 45) fĂŒr den Fern- und 5046 fĂŒr den Nahverkehr, wieder auf Dieseltriebwagen. FĂŒr den Nahverkehr auf elektrifizierten Strecken beschaffte man ab 1956 vier- bzw. dreiteilige Triebwagen der Reihe 4030, aus denen man 1958 auch die Schnelltriebwagen 4130 und 1962 die Schnellbahntriebwagen fĂŒr die Wiener Schnellbahn (4030.2) ableitete und bis 1975 in mehreren Lieferserien weiterbeschaffte. FĂŒr Nebenbahnen wurden ab 1964 fĂŒr Ăsterreich modifizierte Nachbauten der Uerdinger Schienenbusse als Reihe 5081. FĂŒr den internationalen Fernverkehr wurden 1964 bis 1978 29 TriebzĂŒge der Reihe 4010 in Dienst gestellt, sie fĂŒhrten fortan die elektrifizierten internationalen Schnellverbindungen wie den Transalpin oder Rosenkavalier.
Zur Verbesserung des Nahverkehrs auf den Strecken der BallungsrĂ€ume und dem Schnellbahnbetrieb rund um Wien beschaffte man in den Jahren 1978 bis 1987 insgesamt 120 thyristorgesteuerte Triebwagen der Reihe 4020. Um die teilweise noch aus der Vorkriegszeit stammenden Dieseltriebwagen auf Nebenstrecken zu ersetzen, lieferten die Jenbacher Werke ab 1987 moderne, nach damaligen Standards âumweltfreundlicheâ Dieseltriebwagen der Reihen 5047 und 5147. Einige Exemplare dieser Fahrzeuge gingen auch an mehrere österreichische und eine deutsche Privatbahn.
Zur Ablösung der Reihe 4030 im Schnellbahn und Regionalverkehr wurden ab 2004 moderne niederflurige Elektrotriebwagen des Typs Talent als Reihen 4023, 4024 und 4124 in Dienst gestellt. Diese ersetzten im Westen Ăsterreichs auch die Triebwagen der Reihe 4020 sowie lokbespannte RegionalzĂŒge mit Schlierenwagen. Zur weiteren Umstellung des Nahverkehrs auf Triebwagen und als Ersatz fĂŒr die aufgrund ihrer fehlenden Barrierefreiheit, nicht mehr zeitgemĂ€Ăe Reihe 4020 auf der Wiener Schnellbahn werden seit 2015 drei, spĂ€ter auch vierteilige TriebzĂŒge vom Typ Desiro ML als Reihen 4744, 4746 und 4748 beschafft. Diese sollen auch sĂ€mtlichen Inlandsreisezugwagen im Nahverkehr ersetzten.
Mit der Bestellung von Doppelstocktriebwagen bei Stadler soll in den nĂ€chsten Jahren der gesamte Nahverkehr schrittweise auf Triebwagen umgestellt werden. Im Fernverkehr setzte man, von ein paar von der DB als Reihe 4011 ĂŒbernommenen ICE-T abgesehen, ab 1977 wieder auf lokbespannte ZĂŒge. Mit Ausmusterung der Reihe 4010 im Jahr 2008 und RĂŒckgabe der 4011 an die DB im Jahr 2020 besitzt die ĂBB somit keine Fernverkehrstriebwagen mehr. Da es in Ăsterreich keine Trennung zwischen Nah- und Fernverkehr gibt, kommt es bei FahrzeugausfĂ€llen durchaus vor, dass ein Nahverkehrstriebwagen einen lokbespannten Schnellzug ganz oder nur auf einer Teilstrecke ersetzt.
Das private EVU westbahn setzte von Beginn an auf Doppelstocktriebwagen von Stadler. Diese fĂŒr den Fernverkehr modifizierten Fahrzeuge vom Typ KISS kommen unter den Reihenbezeichnungen 4010 und 4110 zum Einsatz. Ein Teil dieser Fahrzeuge wurde an die DB verkauft, die sie unter Beibehaltung der Nummer als IC einsetzt. Die ĂBB kĂŒndigten 2023 die Beschaffung neuer Doppelstock-Railjets von Stadler an. Sie sollen aus dem KISS 3 abgeleitet werden.
Auch bei den Schmalspurtriebwagen bestimmten die Privatbahnen die Entwicklung. Hier gab es schon in den 1930er Jahren Versuche mit Dieseltriebwagen, die ĂBB beschafften aber erst 1986 die von den SteiermĂ€rkischen Landesbahnen entwickelten VT 31â35 modifiziert als Reihe 5090. FĂŒr die Mariazellerbahn bestellte man 1994 mehrere Prototypen fĂŒr eine geplante gröĂere Serie an elektrischen Triebwagen der Reihe 4090, die jedoch nie zur Serienreife weiterentwickelt wurden. Aufgrund der Abgabe sĂ€mtlicher Schmalspurbahnen an die LĂ€nder gingen die Triebwagen in deren Eigentum ĂŒber. Die NĂVOG beschaffte fĂŒr die ĂŒbernommene Mariazeller-Bahn neue, von Stadler entwickelte TriebzĂŒge als Himmelstreppe.
Entwicklung in der Schweiz
AnfÀnge des Triebwageneinsatzes
Dampftriebwagen
Anfang des 20. Jahrhunderts experimentierten einige Bahngesellschaften, einschlieĂlich der frisch gegrĂŒndeten Bundesbahnen, mit Dampftriebwagen verschiedener Konstruktionen. AuĂer den aufgrund der groĂen Steigung sehr speziellen elf Zahnrad-Dampftriebwagen der Pilatusbahn gab es insgesamt in der Schweiz nur 11 normal- und 17 schmalspurige Dampftriebwagen, von letzteren sind 15 den Tramnetzen zuzuordnen. Die verbleibenden 13 Dampftriebwagen teilten sich in neun Bauformen auf. Insgesamt standen den 39 Dampftriebwagen 2280 fĂŒr öffentliche Schweizer Bahnen gebaute Dampflokomotiven gegenĂŒber.cite-ref-11[11]
Verbrennungstriebwagen
Nicht wesentlich anders sah es bei den Verbrennungstriebwagen aus. Insgesamt acht Triebwagen und zwei TEE-TriebzĂŒge beschafften die SBB. Vor 1945 beschafften die RVT (1923, diesel-elektrisch), BT (1926/1927, benzin-mechanisch), FO (1927/1928, benzin-mechanisch), AB (1929, diesel-elektrisch), und MThB (1941/1942, diesel-mechanisch) je zwei Triebwagen, nach 1945 nur noch die MThB drei und die MG vier.
Weiterhin wurden rund fĂŒnfzehn dieselbetriebene Arbeitstriebwagen (Xm) beschafft, wobei aber die Abgrenzung zu Draisinencite-ref-12[12] und Baudiensttraktorencite-ref-13[13] nicht in jedem Fall eindeutig ist.cite-ref-14[14] Zu erwĂ€hnen ist auĂerdem der 1909 in Betrieb genommene benzinmechanische Triebwagen der Rheinecker Verbindungsbahn, der aber eher als Tramwagen anzusehen ist, obwohl er Schraubenkupplungen und Seitenpuffer zur Beförderung von GĂŒterwagen aufwies. Damit belĂ€uft sich die Zahl der Benzin- und Dieseltriebwagen auf 41, dazu kommen die beiden TEE-TriebzĂŒge.
Elektrische Triebwagen
Anders hingegen bei den elektrischen Triebwagen. Bereits die erste elektrische Bahn der Schweiz, die Tramway VeveyâMontreuxâChillon fuhr 1888 mit elektrischen Triebwagen. Auch alle darauf folgenden elektrischen Trambahnen setzten Triebwagen ein. Einzige Ausnahme bildete der GĂŒterverkehr der Schaffhauser Strassenbahn, der neben einem GepĂ€cktriebwagen mit zwei Lokomotiven abgewickelt wurde. 1894 ging die Orbe-Chavornay-Bahn als erste normalspurige elektrische Bahn der Schweiz mit drei zweiachsigen Triebwagen in Betrieb. 1898 wurde auf der kurzen Strecke TraitâPlanches der erste elektrische Zahnradtriebwagen in Betrieb genommen, schon 1912 musste diese Bahn aber wegen technischen MĂ€ngeln eingestellt werden. 1898 wurden die ersten mit Drehstrom elektrifizierten Bahnen eröffnet, von diesen fuhr die Stansstad-Engelberg-Bahn von Anfang an nur mit Triebwagen, diese wurden aber von Lokomotiven ĂŒber die Zahnstangenrampe vor Engelberg geschoben bzw. gebremst. Diese Betriebsform kam danach auf Gleichstrombahnen zur Anwendung (BexâVillars 1900 und AigleâLeysin 1901).
1899 wurde die Strecke BurgdorfâThun als erste Normalspurbahn mit Drehstrom elektrifiziert. WĂ€hrend fĂŒr den GĂŒterverkehr Lokomotiven beschafft wurden, kamen fĂŒr den Personenverkehr vierachsige Triebwagen zum Einsatz. Ab 1901 nahmen verschiedene Ăberland- und Gebirgsbahnen ihren Betrieb auf (MontreuxâZweisimmen, PalĂ©zieuxâMontbovon, AarauâSchöftland, BremgartenâDietikon, VeveyâChamby, St. GallenâTrogen usw.) und fuhren von Anfang an elektrisch mit Gleichspannung zwischen 500 und 1000 Volt. Mehrheitlich wurden vierachsige Triebwagen beschafft. Das galt fĂŒr die 1903 eröffnete Normalspurbahn FreiburgâMurtenâIns, die allerdings mit seitlichen Stromschienen ausgerĂŒstet wurde. Die nĂ€chste und heute einzige Bahn mit dieser Art der StromzufĂŒhrung war MartignyâChĂątelard(âChamonix), die 1906 gleich mit zwei wichtigen Neuerungen aufwartete: Sie setzte die ersten Triebwagen fĂŒr gemischten Zahnrad- und AdhĂ€sionsbetrieb ein und stattete diese fĂŒr den Steuerwagenbetrieb mit einer Wendezugsteuerung aus.
1910 kam als weitere Stromart der Einphasenwechselstrom dazu, nachdem vorgĂ€ngige Versuchsbetriebe zu zuverlĂ€ssigen Motorenbauarten gefĂŒhrt hatten. Gleich drei Bahnen gingen mit vierachsigen elektrischen Triebwagen in Betrieb, die Seetalbahn, die Martigny-OrsiĂšres-Bahn und die Strecke SpiezâFrutigen als Vorlaufbetrieb der BLS. Nur diese letztere war schon mit 15'000 Volt elektrifiziert, hier kamen im Hinblick auf die Eröffnung der Bergstrecke zwei Versuchslokomotiven zum Einsatz. Die Triebwagen verkehrten spĂ€ter auch auf anderen Strecken der BLS. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurden Gleichspannungen ĂŒber 1000 Volt angewendet, bei der Chur-Arosa-Bahn ging man sogar auf 2000 Volt. 1916 wurde NyonâSt-Cergue mit 2200 Volt eröffnet. Bei diesen Bahnen kamen ausschlieĂlich vierachsige Triebwagen zum Einsatz, die nicht normierten Spannungen wurden spĂ€ter aber verlassen.
Einsatz nach dem Ersten Weltkrieg
Die Rohstoff- und Kohleknappheit in Folge des Ersten Weltkriegs fĂŒhrte 1918/1919 dazu, dass der Eisenbahnbetrieb sonntags ruhen musste â mit Ausnahme der elektrifizierten Strecken. An diesen Tagen fuhren vor allem Triebwagen. Sie waren bei den meisten Bahnen wie Lokomotiven im Einsatz und bespannten ZĂŒge aus gemischtem Rollmaterial, einschlieĂlich GepĂ€ck-, Post- und GĂŒterwagen.
Ab 1918 begannen nach der BLS und der RhB die SBB mit der Elektrifikation ihres Netzes mit Einphasenwechselstrom, zunĂ€chst bei den Bergstrecken am Gotthard. Sobald aber der elektrische Betrieb ins Flachland und die Agglomerationen kam, zeigte es sich, dass die Beschaffung von Triebwagen vorteilhaft sein könnte. Ab 1923 wurden insgesamt 21 Personentriebwagen (Ce 4/6 und zwei Ce 4/4) sowie 25 GepĂ€cktriebwagen (Fe 4/4) beschafft, die mit einer einheitlichen Vielfachsteuerung ausgerĂŒstet waren. Mit Triebwagen an jedem Zugsende oder zusammen mit den gleichzeitig beschafften zehn Steuerwagen konnten nun PendelzĂŒge gebildet werden, die an den Endbahnhöfen ohne RangiervorgĂ€nge wenden konnten und somit höhere Tagesleistungen erreichten.
Neue Ideen kamen Mitte der 1930er Jahre auf, als SBB und BLS mit Roten und Blauen Pfeilen zu experimentieren begannen. Leichte Triebwagen sollten als Alleinfahrer einen kostengĂŒnstigen Betrieb von Nebenlinien erlauben. Allerdings fanden sich kaum Linien mit so geringer Nachfrage und so beschafften beide Bahnen leichte AnhĂ€ngewagen. Die BLS beschaffte danach nur noch zweiteilige Triebwagen mit höherer Leistung, die in den Hauptverkehrszeiten weitere Wagen mitfĂŒhren konnten. Bei den SBB hingegen wanderten die Roten Pfeile mit der Zeit in Sonderverkehre ab.
Einsatz nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg, systematisch aber erst in den 1960er Jahren, begann bei den Privatbahnen der Einsatz von Steuerwagen in gröĂerem Umfang (bei normalspurigen Bahnen mit Hochleistungstriebwagen, EAV-Triebwagen und einem Nebenbahn-Triebwagen). In einigen FĂ€llen wurden dabei vorhandene Triebwagen mit einer Fernsteuerung nachgerĂŒstet (z. B. ABDe 4/4 101â102 der RVT und ABDe 4/4 5 der MO). In der gleichen Periode beschaffte die SBB ihre leistungsfĂ€higen und anfĂ€nglich als Schnellzuglokomotiven eingesetzten RBe 4/4 sowie die ersten TriebzĂŒge, zunĂ€chst Diesel- und Viersystem-TEE-TriebzĂŒge, dann 1965â1967 zwanzig allachsgetriebene VorortstriebzĂŒge. 1982 erschienen die ersten Privatbahn-NPZ, zwei Jahre spĂ€ter begannen die NPZ-Lieferungen an die SBB. Damit war der Regionalverkehr der Normalspurbahnen im Wesentlichen âverpendeltâ (also auf PendelzĂŒge umgestellt).
Bei den Schmalspurbahnen beschaffte die Bremgarten-Dietikon-Bahn 1969 Gelenktriebwagen, die den Gesamtverkehr ĂŒbernahmen. 1974 kamen in der Region Bern bei SZB/VBW, heute Regionalverkehr BernâSolothurn die ersten TriebzĂŒge zum Einsatz. Andere Bahnen beschafften vorerst weiterhin PendelzĂŒge, also Triebwagen, Steuerwagen und Zwischenwagen.
1997 gingen auf die Biel-TĂ€uffelen-Ins-Bahn die ersten Stadler GTW in Betrieb, dieser Beschaffung hatte sich die CEV angeschlossen. Ein Jahr spĂ€ter setzte die Mittelthurgaubahn auf der Seeline, deren Betrieb sie von den SBB ĂŒbernehmen konnte, normalspurige GTW ein. Dieser Triebwagentyp konnte danach in viele europĂ€ische LĂ€nder exportiert werden. FĂŒr Hauptstrecken und höhere Geschwindigkeiten wollten die SBB stĂ€rker motorisierte Fahrzeuge, woraus die Stadler Flirt entstanden. Abwandlungen aus diesen Triebzugtypen sind inzwischen auf diversen Schmalspurbahnen im Einsatz.
Im S-Bahn-Netz ZĂŒrich sollten von Anfang an Doppelstöcker zum Einsatz kommen. Nach langen Evaluationen entschied man sich fĂŒr einen Pendelzug mit Triebkopf, der als Lokomotive Re 450 eingereiht wurde. Die zweite Beschaffung waren dann aber TriebzĂŒge vom Typ RABe 514 von Siemens. Die dritte Beschaffung, die gleichzeitig Fahrzeuge fĂŒr andere Agglomerationen umfasste, waren Stadler-TriebzĂŒge vom Typ RABe 511, die schlieĂlich als RABe 515 auch von der BLS beschafft wurden.
Technik
Im Vergleich zu lokomotivbespannten WendezĂŒgen bestehen TriebzĂŒge hĂ€ufig aus im Betrieb nicht trennbaren Fahrzeugteilen, bei denen die technische AusrĂŒstung unter- oder oberhalb des Wagenkastens untergebracht ist. Mechanische Baugruppen wie Fahrmotoren sowie elektrische Komponenten wie Frequenzumrichter sind in der Regel unterflur installiert, Klimaanlagen werden auf dem Fahrzeugdach untergebracht. Meist sind mehrere Drehgestelle eines Triebzugs angetrieben. Auf diese Weise erhöht sich das Reibungsgewicht des Fahrzeugs, die Beschleunigung steigt und Anfahren bei nassen Schienen oder groĂen Steigungen wird vereinfacht. Die Schnellfahrstrecke KölnâRhein/Main beispielsweise ist mit Neigungen von bis zu 40 Promille nur fĂŒr TriebzĂŒge zugelassen. Bei lokomotivbespannten ZĂŒgen wĂ€re eine aufwendigere TrassenfĂŒhrung mit einem höheren Anteil an Ingenieursbauwerken notwendig. Da kein Platz fĂŒr einen Maschinenraum benötigt wird, kann ein ICE 3 rund 20 Prozent mehr FahrgĂ€ste aufnehmen als ein aus Lokomotive und Reisezugwagen gebildeter Intercity von gleicher LĂ€nge.cite-ref-janicki-15-0[15]
Da eine Trennung eines einzelnen Triebzuges nur in Bahnbetriebswerken erforderlich ist, können kompaktere Kurzkupplungen zwischen den Wagen verwendet werden. Der Abstand zwischen zwei WagenkĂ€sten wird kleiner, ohne sie ĂŒber die KopfstĂŒcke vorziehen zu mĂŒssen. Die bei Reisezugwagen ĂŒblichen ĂbergangstĂŒren können bei druckdichter AusfĂŒhrung der WagenĂŒbergĂ€nge entfallen oder leichter ausgefĂŒhrt werden und im Betrieb offen bleiben.cite-ref-janicki-15-1[15]
WĂ€hrend ein Reisezugwagen in der Regel zwei Drehgestelle mit je zwei RadsĂ€tzen besitzt, sind bei TriebzĂŒgen alternative Achsformeln möglich. Weite Verbreitung haben Jakobs-Drehgestelle gefunden, die sich zwischen zwei WagenkĂ€sten befinden. ZĂŒge mit Jakobsdrehgestellen haben insgesamt weniger Drehgestelle als herkömmliche TriebzĂŒge. Das reduziert Masse und Kosten, erhöht aber die Achslasten.cite-ref-janicki-15-2[15] So entschied sich die Eurostar Group bei der Beschaffung neuer ZĂŒge 2010 fĂŒr Siemens Velaro, da die AGV von Konkurrent Alstom mit seinen Jakobsdrehgestellen höhere Achslasten aufweisen.cite-ref-16[16] Seltener sind Einzelachsfahrwerke zu finden, beispielsweise bei der vierten Generation der Fahrzeuge fĂŒr die S-Bahn Kopenhagen oder bei Talgo-TriebzĂŒgen.cite-ref-17[17] Von der StraĂenbahnbauweise entlehnt ist der Einbau einer SĂ€nfte zwischen zwei auf Drehgestellen laufenden Wagen. Anwendung findet dieses Prinzip unter anderem bei den Integral S5D95 der Bayerischen Oberlandbahn.cite-ref-janicki-15-3[15]
FĂŒr neue Triebwagengenerationen werden Leichtmetall- und Verbundwerkstoffe verwendet, um die Masse der Fahrzeuge deutlich zu senken. Sie haben meist automatische Mittelpufferkupplungen statt der Schraubenkupplungen mit zusĂ€tzlichen Puffern. Auf diese Weise ist eine FlĂŒgelung im laufenden Betrieb möglich.
Triebwagen mit Verbrennungsmotor haben meist eine hydrodynamische KraftĂŒbertragung mit Strömungsgetrieben. Ein dieselelektrischer Antrieb mit nachgeschaltetem Generator und elektrischen Fahrmotoren ist in Deutschland seltener, er wurde beispielsweise bei den Schnelltriebwagen der Deutschen Reichsbahn oder bei den ab 1976 in Betrieb gesetzten VT 2E von LHB angewendet und hat mit den GTW und dem Bombardier Talent wieder eine gewisse Verbreitung gefunden. Kleinere Triebwagen (Schienenbus) besitzen hĂ€ufig ein mechanisches Automatikgetriebe mit Retarder aus dem Kraftomnibusbau.
Ein Problem bei Dieseltriebwagen kann die BeeintrÀchtigung des Fahrkomforts durch MotorgerÀusche und Vibrationen sein.
Literatur
âą GĂŒnther Klebes: Die elektrischen und Diesel-Triebfahrzeuge auf der Eisenbahntechnischen Ausstellung in Seddin anlĂ€sslich der Eisenbahntechnischen Tagung in Berlin in der Zeit vom 21. September bis 5. Oktober 1924. Monographien und Mitteilungen, Folge 20 (Doppelheft), herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Eisenbahngeschichte e. V., Karlsruhe 1978, ISBN 3-921700-18-3.
âą Horst J. Obermayer: Taschenbuch Deutsche Triebwagen. Franckh, Stuttgart 1986, ISBN 3-440-04054-2.
âą GĂŒnter Kettler: Elektrotriebwagen der ĂBB 4041 â 4124. (enthĂ€lt Beschrieb aller Elektrotriebwagen von BBĂ und ĂBB), Verlag Bahnmedien.at, Wien 2013, ISBN 978-3-9503304-3-4.
âą GĂŒnter Kettler: Dieseltriebwagen der ĂBB. EnthĂ€lt Beschrieb aller nach 1945 gebauten Verbrennungstriebwagen der ĂBB, Verlag bahnmedien.at, Wien 2011, ISBN 978-3-9502648-7-6.
Weblinks
Commons
: Triebwagen
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Triebwagen
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Literatur von und ĂŒber Triebwagen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⹠Roell, EnzyklopÀdie des Eisenbahnwesens, 1912: Triebwagen
Einzelnachweise
cite-note-11. â Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 30. Dezember 1933, Nr. 61. Bekanntmachung Nr. 720, S. 272.
cite-note-22. â ErgĂ€nzungsregelung Nr. B 015 âAus § 4 AEG und EBO abgeleitete Schutzziele zum Kuppeln von Fahrzeugen mit automatischer Kupplung im Standâ. Ehemals im Original (nicht mehr online verfĂŒgbar); abgerufen am 23. August 2009 (Version 2.0 vom 6. Juli 2009).@1@2Vorlage:Toter Link/www.eba.bund.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
cite-note-33. â Vergleich dazu die mit dem Triebwagensymbol gekennzeichneten ZĂŒge in den Schweizer KursbĂŒchern, z. B. 1981, deren ErlĂ€uterung besagte: «Triebwagen oder Triebwagenzug». Aus der italienischen Ăbersetzung kann geschlossen werden, dass auch TriebzĂŒge gemeint waren: «Automotrice o elettrotreno». Darauf weist der Umstand hin, dass der mit den TriebzĂŒgen RAe TEE& II gefĂŒhrte «Gottardo» im Fahrplanfeld 81 mit dem entsprechenden Symbol erscheint.
cite-note-fdv-44. â Schweizerische Fahrdienstvorschriften (FDV) A2025. Bundesamt fĂŒr Verkehr (BAV), 16. Juli 2025 (PDF; 11 MB). R 300.1, Abschnitt 2.5.1 Verzeichnis der Begriffe (in deutscher, französischer und italienischer Sprache)
cite-note-55. â ĐĐĐĄĐą 34056â2017 ĐąŃĐ°ĐœŃĐżĐŸŃŃ Đ¶Đ”Đ»Đ”Đ·ĐœĐŸĐŽĐŸŃĐŸĐ¶ĐœŃĐč. ĐĄĐŸŃŃаĐČ ĐżĐŸĐŽĐČĐžĐ¶ĐœĐŸĐč. йДŃĐŒĐžĐœŃ Đž ĐŸĐżŃĐ”ĐŽĐ”Đ»Đ”ĐœĐžŃ. Offizielle Ausgabe. Đ€ĐУР«ХŃĐ°ĐœĐŽĐ°ŃŃĐžĐœŃĐŸŃĐŒÂ». Moskau 2016
cite-note-66. â Tram Basel Rollmaterial
cite-note-71. Walter von Andrian: Von Giruno und von Radio Eriwan. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8-9/2016. Minirex, Luzern, S. 382.
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cite-note-99. â Karlex und Karola, ts-werkstatt.de
cite-note-vt-pr-1010. â VT 1 bis VT 103 In: PreuĂen-Report Band 9, Hermann-Merker-Verlag, FĂŒrstenfeldbruck 1996, ISBN 3-922404-84-7
cite-note-1111. â Alfred Moser: Der Dampfbetrieb der Schweizerischen Eisenbahnen 1847â1966. BirkhĂ€user-Verlag, Basel/Stuttgart 1967, Seiten 386â396 (Kapitel 14)
cite-note-1212. â betrifft insbesondere die beiden Robel-Fahrleitungswagen Xm 1/2 182 der CJ www.bahnbilder.de und Xm 2/2 9061 der BT, Ă€hnlich den Tm 81 der BLS, spĂ€ter 27 und Tm 2/2 1 der WSB, heute 91 der AB
cite-note-1313. â betrifft insbesondere die RhB-Turmtriebwagen Xm 2/2 9911â9912, 9912" (wie Tm 15â26), 9916 (RACO Tm") und 9921 (RACO Tm)
cite-note-1414. â Als eigentliche Diensttriebwagen können gelten: die RhB-Turmtriebwagen Xm 2/2 9913â9915, 9917, Xmf 4/4 9918â9919 Xmf 6/6 92020, AB-Xm 1/2 51, neu 89, BLS-Motorturmwagen Xm 2/2 9321â22 und BN-9712/11, ab 1948 Tm 2/2 51â54 und SOB MPV 99 85 9131 005â006 (Memento vom 11. November 2014 im Internet Archive) sowie der Messtriebwagen SBB XTmass 99 85 9160 001-5
cite-note-janicki-1515. â JĂŒrgen Janicki, Horst Reinhard, Michael RĂŒffner: Schienenfahrzeugtechnik. Bahn-Fachverlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-943214-07-9, S. 73â76.
cite-note-1616. â GrĂŒnes Licht fĂŒr ICE-Verkehre durch den Eurotunnel. In: dmm.travel. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 8. Dezember 2015; abgerufen am 4. Dezember 2015.
cite-note-1717. â S-Tog der DSB. In: s-bahn-galerie.de. Abgerufen am 4. Dezember 2015.